Infektionen: Übersicht

Infektionen Das Immunsystem
Immunität Immunisierung
Infektionsquellen Übertragungswege
Übersicht der Krankheitserreger Infektionskrankheit
Nosokomial-Infektionen MRSA
Pflege von Patienten mit Infektionskrankheiten Infektionsstationen und Schutzkleidung
HIV (Humane Immundefizienz-Virus) AIDS (Acquired Immunodefficiency Syndrom)

 

 

 

 

Infektionen

 

Unter einer Infektion versteht man die Besiedlung, das Eindringen und die Vermehrung eines Infektionserregers in einem Wirt. Ob daraus eine Infektionskrankheit oder Infekt entsteht, hängt von mehreren Faktoren ab:

Der Erreger

  • kann von Wirt zu Wirt übertragen werden
  • besitzt eine Eindringungsfähigkeit
  • besitzt ein Haftungsvermögen
  • kann sich im Wirt vermehren

 

Direkte Infektion: Erregerübertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritte.

Indirekte Infektion: Übertragung mittels Überträger (beispielsweise blutsaugende Insekten, Wasser, Nahrung, etc)

 

Lokale Infektionen

Die Infektion bleibt auf die Eintrittspforte des Erregers beschränkt, z. B. Wundinfektion oder infektiöse Durchfall ohne Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens (Infektion ist auf die Darmschleimhaut beschränkt).

Generalisierte  Infektionen (systemische Infektionen oder Allgemeininfektionen)
Die Erreger dringen bis ins Gefäßsystem vor. Der gesamte Organismus ist betroffen. Die Sepsis ist gewissermaßen “der Höhepunkt” einer Generalisierten Infektion.

 

Pathogenität (Fähigkeit, krankhafte Veränderungen im Organismus hervorzurufen) 
Der Infektionserreger kann aufgrund seiner Toxizität (Giftigkeit) im Wirt eine Infektionskrankheit auslösen.
 
Virulenz (schädliche Aktivität, "Aggressivität" eines Erregerstammes)
Krankheitsauslösend ist auch, wie stark der Erreger in das Gewebe eindringt, Enzyme und Toxine bildet und wie schnell er sich vermehrt.
 

Primärinfektion: Erstmalige Erregerübertragung

Reinfektion: Neuansteckung mit dem gleichen Erreger nach Heilung der Primärinfektion

Sekundärinfektion: Zusätzliche Erregerübertragung nach der Primärinfektion (vielfältige Symptome, Erkrankungsverlauf heftiger, Therapie erschwert)

 

Epidemie (zeitlich und örtlich begrenzte Häufung von Infektionskrankheiten, z.B. Grippe- oder Cholera-Epidemie)

Pandemie (Ausbreitung einer Epidemie über einen Kontinent oder die ganze Welt, z.B. HIV-Pandemie)

Endemie („Dauerverseuchung", der Erreger ist in einer bestimmten Region weit verbreitet und ständig vorhanden, z.B. Malariaerreger). Oft erkranken Kinder und Zugereiste, ältere Einheimische sind meistens durch früheren Kontakt mit dem Erreger immun)

 

Horizontale und vertikale Infektion

  • Horizontale Infektion: Erregerübertragung von Wirt zum anderen Wirt der gleichen Generation
  • Vertikale Infektion: Erregerübertragung von Wirt zum anderen Wirt der nächsten Generation
    • Pränatale Infektion: Erregerübertragung vor der Geburt (intrauterin) über die Plazenta (transplazentar)z. B. virale Infektionen: Röteln; bakterielle Infektionen: Syphilis; Infektionen durch Protozoen: Toxoplasmose
    • Perinatale Infektion: Erregerübertragung während der Geburt; z. B. Virale Infektionen: Neugeborenenherpes; Bakterielle Infektionen: Neugeborenenkonjunktivitis (Bindehautentzündung); Infektionen durch Pilze: Mundsoor des Neugeborenen
    • Postnatale Infektion: Erregerübertragung nach der Geburt (beispielsweise Muttermilch)z. B. virale Infektionen: HIV; bakterielle Infektionen: Tuberkulose; Infektionen durch Pilze: Mundsoor

 

 

Das Immunsystem

Bei Menschen mit geschwächten Immunsystem können Erreger eine Infektionskrankheit auslösen, die bei Menschen mit intaktem Immunsystem keine Erkrankung hervorrufen würden.

 

Das Immunsystem kann geschwächt sein bei

  • hohem Lebensalter/Greisenalter
  • Frühgeborenen/Säuglingen
  • Zytostatikatherapie und Bestrahlungen
  • schweren Erkrankungen
  • Leukämie
  • großen Operationen
  • AIDS
  • chronischen Grunderkrankungen (z. B. Diabetes mellitus)
  • Mangelernährung
  • Therapien, die das Immunsystem unterdrücken (bei einer Autoimmunerkrankung oder zur Verhinderung der Abstoßung nach einer Organtransplantation)
  • Gendefekt

 

 

Immunität

Erkrankte behalten nach einigen generalisierten Infektionskrankheiten, besonders virale, eine lang andauernde Immunität durch Bildung spezifischer Antikörper. Sogenannte Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln oder Windpocken sind Infektionskrankheiten mit hoher Durchseuchungsrate und Übertragungsfähigkeit, sodass vor allem Kinder erkranken, die dann als  Erwachsene durch ihre frühere Erkrankung immun sind.

Das gilt aber nicht für alle Kinderkrankheiten. Bei Diphterie beispielsweise  wird nicht immer eine Immunität erworben. Erst ein Test kann dazu Klarheit bringen. Besteht eine Immunität, dann hält sie etwa zehn Jahre an. Die Immunität bei Pertussis oder Keuchhusten dauert circa 10 bis 20 Jahre. Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Scharlach hinterlassen zwar eine lebenslange Immunität, aber bei Kinderlähmung nur gegen den einen Virustyp, bei Scharlach nur gegen den Typ Streptokokken (Bakterien), der die Erkrankung auslöste. So kann eine erneute Infektionskrankheit durch einen anderen Typ nicht ausgeschlossen werden.

 

Immunisierung

 

 

Infektionsquellen

 

 

 

Die wichtigste Infektionsquelle ist der Mensch selbst. Krankheitserreger sind im Sputum, Stuhl, Urin, Wundsekreten, Speichel, Blut, Muttermilch, Schweiß, Ejakulat, Vaginalsekret oder auch auf der Haut zu finden. Als tierische Infektionsquellen kommen alle Tiere in Betracht wie beispielsweise Nutztiere (Rinder, Schweine), Haustiere (Hund, Katze, Meerschweinchen), Vögel oder Insekten. Viele Erreger überleben aber auch in der unbelebten Umwelt wie der Tetanuserreger im Erdreich, der Gasbrandbazillus in Wasser, Staub und Lebensmitteln oder die Tuberkuloseerreger im Staub.

 

Exogene Infektionen: Der Erreger dringt von außen in den Körper ein.

 

Endogene Infektionen: Körpereigene Keime gelangen bei einer Abwehrschwäche in untypische Körperregionen wie beispielsweise Colibakterien aus dem Darm in die Harnblase (> Zystitisprophylaxe).

Bearbeitet: Die Ärztin im Hause, Dr. med. Jenny Springer, 13. Auflage, Dresden 1922, public domain

 

Übertragungswege

Kontaktinfektion: direkte Übertragung von Krankheitserregern durch Berührung eines Lebewesens. (z.B. Hände schütteln)

Schmierinfektion: ist eine indirekte Kontaktinfektion durch Berührung von mit Krankheitserregern kontaminierten Gegenständen

Fäkal-orale Infektion: Erreger aus Fäkalien gelangen durch den Mund in den Organismus, beispielsweise durch verunreinigtes Trinkwasser.

Tröpfcheninfektion: Ansteckung durch aerogene ("auf dem Luftweg" oder "über die Luft") Übertragung (Sprechen, Niesen, Husten)

Orale Infektion: Schlucken der Erreger z.B. mit Nahrungsmitteln

Infektion durch Bisse oder Stiche von Tieren: beispielsweise Tollwut durch Hunde, Katzen, Füchse, Fledermäuse, etc, Borreliose durch Zecken, Malaria durch Moskitos usw.  

Parenterale Infektion: Die Krankheitserreger gelangen nicht über den Verdauungstrakt in den Organismus. Parenteral bedeutet eigentlich „direkt ins Blut”, ein Hinweis auf mögliche Übertragungswege wie Infusionen, Transfusionen oder Benutzung einer verunreinigten Kanüle. Parenterale Infektion sind auch:

  •         Perkutane Infektion: Erreger gelangen über die Haut in den Organismus
  •         Permuköse Infektion: Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Organismus
  •         Inhalationsinfektion: Erreger gelangen über die Atemwege in den Organismus
  •         Urogenitale Infektion: Erreger gelangen über den Harntrakt in den Organismus
  •         Genitale Infektion: Erreger gelangen über die Geschlechtsorgane in den Organismus
  •         Intrauterine Infektion: Erreger gelangen während der Schwangerschaft mit dem Blut über die Plazenta in den Körper des ungeborenen Kindes (z.B. Syphilis oder Viruserkrankungen wie Röteln)
  •     Infektionen durch Geschlechtsverkehr durch intensiven Schleimhautkontakt oder kleinste Schleimhautverletzungen gelten als Sonderfall der parenteralen Übertragung.

 

 

 

 

Übersicht der Krankheitserreger

 
 
 
Bakterien

Einzeller ohne Zellorganellen und Zellkern; die DNA liegt frei im Zytoplasma; dadurch ist eine schnellere Vermehrung möglich

Zum Beispiel: Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen, Escherichia coli oder als Sonderform Rickettsien

Viren Kleinste Krankheitserreger, die nur aus Erbinformationen zur Vermehrung und Ausbreitung bestehen; ohne eigenen Stoffwechsel sind sie auf den Stoffwechsel der Wirtszelle angewiesen Zum Beispiel: Masern-, Mumps-, Röteln-, Grippe-, Hepatitis-, Herpes-, Pockenvirus, HIV
Prionen Proteine, die im tierischen Organismus in normalen aber auch anormalen Strukturen vorkommen; es sind keine Lebewesen, sondern organische Toxine mit virusähnlichen Eigenschaften. Erreger der Creutzfeld-Jakob-Krankheit, BSE, Kuru (Frühere Krankheit in Papua-Neuguinea: Bewegungsstörungen  wie Gang- und Standunsicherheiten, rhythmischer Tremor, zuletzt wirres Lachen, 6 bis 12 Monate nach Auftreten der ersten Symptome Todeseintritt. )
Pilze Pflanzenähnliche Mikroorganismen ohne die Fähigkeit zur Photosynthese, Energie aus Kohlenstoffdioxid und Sonnenlicht

Candida albicans (Hefepilz), Erreger z. B. Soor, „Windelpilz“: Aspergillus fumigatus (Schimmelpilz) verursacht beispielsweise Allergien oder nistet sich in der Lunge ein

Protozoen Parasitisch lebende Einzeller (besitzen Zellkern und Zellmembran) Plasmodien (Malaria), Trypanosomen (Schlafkrankheit), Amöben (Amöbenruhr), Trichomonas (Entzündung der Scheide und männlichen Harnröhre)

Würmer

Insekten

Parasitisch lebende Tiere; Eukaryonten (besitzen einen Zellkern); Ein- oder Mehrzeller Z. B. Taenia saginata (Rinderbandwurm), Taenia solium (Schweinebandwurm), Pediculus capitis (Kopflaus), Sarcoptes scabiei (Krätzmilbe)

 

 

 

Lernzielkontrolle Krankheitserreger

 

 

Infektionskrankheit

Eine Infektionskrankheit ist eine durch Erreger hervorgerufene Erkrankung, die aber nicht mit einer Infektion gleichgesetzt werden kann, da nicht jede Infektion zu einer Erkrankung führt. Krankheitsverlauf, zeitliche Abläufe und Symptome sind je nach Erreger sehr unterschiedlich.

  • Lokalisierte Infektionskrankheiten beschränken sich auf bestimmte Körperteile oder Organe
  • Generalisierte Infektionskrankheiten breiten sich im ganzen Körper aus.

 

 

Infektionskrankheiten verlaufen in vier Phasen:

1. Die Invasionsphase beschreibt die eigentliche Ansteckung. Der Krankheitserreger dringt in den Körper ein, bleibt aber zunächst inaktiv und vermehrt sich nicht.

2. Die Inkubationszeit ist der zeitliche Abstand zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch und dauert je nach Erreger einige Stunden bis Jahre. Der Erreger beginnt sich im Körper zu vermehren, der Infizierte hat aber meist noch keine Beschwerden. Viele, besonders virale, Infektionen sind am Ende der Inkubationszeit hoch ansteckend, weil kurz vor den ersten Symptomen eine explosionsartige Erregervermehrung stattfindet.

Beispiele für Inkubationszeiten: Diphterie 1 bis 7 Tage, Röteln 14 bis 21 Tage, AIDS auch mehr als 10 Jahre, Poliomyelitis (Kinderlähmung) 3 bis 35 Tage, Schnupfen wenige Stunden bis eine Woche, Grippe wenige Stunden bis drei Tage

3. In der Krankheitsphase zeigen sich erste Symptome. Der Krankheitsverlauf wird von der Fähigkeit des Immunsystems, den Erreger zu eliminieren, bestimmt. Medikamente unterstützen dabei den Körper, zum Beispiel Antibiotika gegen Bakterien, Antimykotika gegen Pilze oder Virostatika gegen Viren. Gegen einige Krankheitserreger gibt es Impfungen. Doch nicht jede Infektionskrankheit kann geheilt werden.

Manche Infektionskrankheiten verlaufen

  • latent (“schlummernd”)
  • asymptomatisch (ohne Symptome)
  • oligosymptomatisch (in leichten, unspezifischen Störungen des Allgemeinbefindens)
  • fulminant (sehr schneller Beginn mit schwerstem Krankheitsbild)
  • akut (rascher Beginn)
  • subakut (allmählicher, schwer abgrenzbarer Krankheitsbeginn)
  • chronisch (sich langsam entwickelnd und lange dauernder Krankheitsverlauf)
  • rezidivierend (wiederkehrend)


4. In der Überwindungsphase werden normalerweise alle Erreger vernichtet. Kann der Erreger jedoch nicht eliminiert werden, verläuft die Krankheit letal oder es kommt zu einer örtlichen Eingrenzung oder Abkapselung des Erregers.

Dann besteht bei einer Abwehrschwäche die Gefahr, dass die Infektionskrankheit erneut ausbricht (Gürtelrose). Ein weiteres Risiko der Eingrenzung der Erreger besteht in der Dauerausscheidung, beispielsweise bei Salmonellose oder Typhus.

 

 

Nosokomial-Infektionen

(Umgangssprachlich auch als Krankenhausinfektion oder infektiöser Hospitalismus bezeichnet)

Infektionen, die während des Krankenhausaufenthaltes oder in einer Pflegeeinrichtung erworben werden (griechisch Nosokomeion = Krankenhaus). Nach dem Robert-Koch-Institut gelten Infektionen, die vier Tage nach der Aufnahme des Patienten Symptome zeigen, als nosokomial. Sie werden meist von Pflegepersonal oder Ärzten übertragen. Oft sind es Erreger, die gesunden Menschen nicht schaden würden.

Dazu kommen die Naß-Keime. Es sind Bakterien, die sehr geringe Ansprüche an ihren Nährboden stellen und sich im feuchten Milieu bei Temperaturen unter 37°C vermehren. In wenig wirksamen Desinfektionsmitteln können sie sogar leben und sich vermehren. Naß-Keime findet man an feuchten Materialien wie Waschbeckenabflüssen, Putzlappen, Narkose- und Beatmungsgeräten oder Luftbefeuchtern.

Strepto- und Staphylokokken, Pilze, Salmonellen, Kolibakterien oder Viren können ebenfalls vom Krankenhauspersonal, Besuchern oder Mitpatienten übertragen werden.

Die häufigsten Krankenhausinfektionen sind Harnwegsinfektionen, Venenkathetersepsis, Beatmungspneumonie und postoperative Wundinfektionen.

Zur Vermeidung der Nosokomial-Infektionen:

  • Strikte Einhaltung der Hygienevorschriften
  • Regelmäßige Schulungen zum Hygienewissen
  • Förderung eines hohen Hygienebewusstseins
  • korrekte Händedesinfektion und Sterilisation
  • Aseptisches Arbeiten
  • Möglichst ein bis zwei Meter Abstand zu anderen Personen halten
  • Schutzkleidung benutzen
  • Aktive Schutzimpfungen
  • Lebensmittel abdecken

 

 

MRSA

 

 

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

  • Methicillin: eine Sorte Penicillin
  • resistent: widerstandsfähig gegenüber äußeren Einwirkungen
  • Staphylococcus aureus: kugelförmige grampositive Bakterie, tritt häufig in Traubenform auf. Staphylokokken kommen fast überall in der Natur vor. Circa 30 % der Menschen haben diese Bakterien auf der Haut und oder in den oberen Atemwegen. Die wenigsten infizierten Menschen entwickeln Krankheitssymptome (asymptomatisch). Erst wenn das Bakterium begünstigt wird durch beispielsweise ein geschwächtes Immunsystem breiten sie sich aus und verursachen Symptome. Es kann zu lokalen, aber auch generalisierten Infektionskrankheiten kommen. Der Staphylococcus aureus ist ein gefürchteter Erreger von Nosokomial-Infektionen.

  • grampositiv: Färbemethode bei Bakterien; wichtiges Diagnostik-Werkzeug zur Bestimmung einer Infektionskrankheit. Grampositive und gramnegative Bakterien unterscheiden sich im Aufbau der Zellwand und müssen daher mit unterschiedlichen Antibiotika bekämpft werden.
  • Antibiotika: umgangssprachlich Arzneimittel zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten; natürlich oder chemisch hergestellte Stoffwechselprodukte von Pilzen oder Bakterien, die bereits in geringer Konzentration das Wachstum von anderen Mikroorganismen hemmen oder diese abtöten.

 

Wenn der Staphylococcus aureus gegen Methicillin resistent ist, ist der Bakterienstamm auch gegen andere verwandte Antibiotika resistent und häufig auch gegen Antibiotika anderer Gruppen. Entwickeln diese Bakterien Resistenzen gegen mehrere wichtige Antibiotika (Multiresistenz), werden sie zu einer Gefahr, nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für Andere, die sich infizieren können. 

Die Resistenz des Staphylococcus aureus gegen Antibiotika ist auch ein Produkt des breiten Einsatzes von Antibiotika ab den 1960er Jahren, direkt durch schnelle Verordnungen auch bei geringfügigen Infektionskrankheiten, indirekt durch ihren Einsatz in der Massentierhaltung.

Staphylokokkeninfektionen können sich auf Blutgefäße ausweiten. In den Blutgefäßen können sie als schwere Komplikation eine Sepsis auslösen oder eine Endokarditis verursachen mit rascher Herzklappenzerstörung.

 

 

Pflege von Patienten mit Infektionskrankheiten

Unterbrechung von Infektionsketten: Kenntnisse über Infektionsquellen, Übertragungswege und Eintrittspforten der Erreger!

Um Infektionsketten zu unterbrechen, sind meist Isolierungsmaßnahmen zum Schutz vor Weiterverbreitung der Krankheitserreger nötig. Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der Ansteckungskraft der Erreger, dem Übertragungsweg, der Gefahr für den Patienten und der Gefahr, die vom Patienten ausgeht ab.

Manche Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Windpocken, sind derart hochgradig ansteckend, dass bereits eine kurze Begegnung mit dem Kranken ohne Berührung reicht, um sich bei fehlender Immunität anzustecken. Dagegen kommt es bei HIV-Infektionen mit normalen Alltagskontakten nicht zu einer Ansteckung, sodass Isolierungsmaßnahmen nicht nötig sind.

1. AEDL: Bei Isolierungsmaßnahmen sind Patienten aus der vertrauten Umgebung herausgerissen und müssen längere Zeit allein in einem Zimmer verbringen. Kontakte zur Außenwelt fehlen oder sind eingeschränkt. Gesprächsangebote ohne Zeitdruck durch das Pflegepersonal sind extrem wichtig, dass die Patienten nicht vereinsamen.

2. AEDL: Isolierungsmaßnahmen aber auch die Infektionskrankheit an sich durch Schwäche, Müdigkeit, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Schmerzen usw schränken die Bewegung der Erkrankten massiv ein. Um einen massiven körperlichen Abbau zu verhindern, muss frühzeitig körperlich aktiviert werden.

3. AEDL: Da viele Infektionskrankheiten mit Fieber einhergehen, müssen die Vitalzeichen, besonders die Körpertemperatur, genau beobachtet und dokumentiert werden und gegebenenfalls fiebersenkende Pflegemaßnahmen angewandt werden.

4. AEDL: Fieberkranke sollten auch häufig die Möglichkeit erhalten, sich zu waschen oder frisch zu machen und dabei bei Bedarf unterstützt werden. Zitronenmelissen- oder Pfefferminztee beispielsweise als Waschwasserzusatz erfrischen und wirken unter anderem keimtötend.

5. AEDL: Häufig leiden Patienten mit Infektionskrankheiten unter fehlendem Appetit. Man sollte Lieblingsspeisen reichen und das Essen ansprechend zubereiten. Lieber mehrere kleine Mahlzeiten reichen, um auch den Körper durch die Nahrungsaufnahme nicht zu belasten. Bei Infektionskrankheiten im Mund-, Halsbereich kann das Essen schmerzhaft sein. Das muss bei der Auswahl von Speisen und Getränken beachtet werden. Besonders auf die Flüssigkeitszufuhr ist bei Patienten mit Infektionskrankheiten zu achten. Es entstehen schnell Flüssigkeitsdefizite durch Erbrechen, Durchfälle oder starkes Schwitzen. Im Zweifelsfalle muss eine Bilanzierung geführt werden.

6. AEDL: Ausscheidungen, besonders bei Infektionskrankheiten mit Diarrhoe, starkem Erbrechen oder urogenitalen Infektionen, müssen Menge, Zeitpunkt und Häufigkeit, Farbe, Geruch und Beimengungen genau beobachtet und dokumentiert werden. Auch das Gewicht der Patienten muss regelmäßig kontrolliert werden.

7. AEDL: Durch erhöhte Temperatur oder Fieber schwitzen Patienten mit Infektionskrankheiten verstärkt. Daher sollte Bettwäsche und Kleidung aus Baumwolle oder Leinen sein, die häufiges Waschen bei hohen Temperaturen vertragen.

8. AEDL: Durch die Infektionskrankheit ist der Körper geschwächt. Gerade bei fulminanten oder akuten Infektionskrankheiten muss auf ausreichende Ruhephasen und möglichst ungestörten beschwerdefreien Schlaf geachtet werden, um Komplikationen zu vermeiden.
 
9. AEDL: Erforderliche Isolierungsmaßnahmen werden für den Patienten noch belastender, wenn er das Gefühl hat, sich selber überlassen zu sein und “sich zu Tode” zu langweilen. Auch in der Quarantäne sind Beschäftigungsangebote möglich. Beschäftigungsmaterialien müssen in der Schleuse keimfrei gemacht werden, um Sekundärinfektionen zu vermeiden.

10. AEDL: Bei Isolierungsmaßnahmen haben Patienten die Neigung, sich selber ein Stück weit aufzugeben. Gerade dann ist es wichtig, das positive und lebensbejahende Selbstempfinden der Patienten zu unterstützen und zu fördern. Bei den sogenannten Geschlechtskrankheiten befürchten viele Patienten den Verlust ihrer Sexualität. Dem Patienten muss vermittelt werden, dass Sexualität ein legitimes Gesprächsthema ist und Pflegekräfte bereit sind, darüber zu sprechen.

11. AEDL: Im Mittelpunkt steht die Abwendung von Gefahren für den Patienten, also beispielsweise vor Sekundärinfektionen. Sämtliche Hygieneregeln müssen akurat und intensiv umgesetzt werden, um den Patienten zu schützen. Aktivierende und kompensatorische Pflege müssen genau nach dem individuellen Krankheitsbild ausgerichtet werden, um Komplikationen zu vermeiden. Der Patient muss sich gut gepflegt, betreut und geborgen fühlen, um seine soziale Sicherheit nicht zu verlieren.

12. AEDL: Gerade in der Quarantäne haben Patienten oft über längere Zeiträume nur noch soziale Kontakte zu Ärzten und Pflegepersonal. Das muss den Pflegenden ständig bewusst sein. Pflegekräfte stellen oft die einzige Verbindung zur Außenwelt dar. Für Patienten mit Infektionskrankheiten sind die sozialen Kontakte zum Pflegepersonal also ausgesprochen wichtig. Darauf sollte man eingehen, indem man entsprechende Pflegezeiten und Personalschlüssel einkalkuliert.

13. AEDL: Krankheit ist immer ein existenzgefährdendes Ereignis. Wie gut oder schlecht der Patient mit dem Ereignis umgehen kann, liegt in erster Linie an der Qualität der psychosozialen Betreuung durch das Pflegepersonal. Der Patient muss sich über seine Ängste, aber auch Hoffnungen auseinandersetzen können. Ressourcen müssen aktiviert und gefördert werden. Eine Ressource ist auch, falls vorhanden, die Religionszugehörigkeit. Eine Religionsausübung muss auch in der Quarantäne ermöglicht werden.

 

 

 

Infektionsstationen und Schutzkleidung

Patientenzimmer auf Infektionsstationen sind in der Regel Einbettzimmer. Patienten mit gleicher Erkrankung oder wenn eine gegenseitige Ansteckung ausgeschlossen ist, beispielsweise bei gesicherter Immunität, können nach Rücksprache mit dem Arzt Zweibettzimmer ermöglicht werden, vor allem dann, wenn die Patienten nur schwer mit der Quarantäne umgehen können.

Vor dem Isolierzimmer befindet sich die Schleuse. In der Schleuse sind zwei Schränke, einer für die normale Dienstkleidung, der andere für die Schutzkleidung, ein Waschbecken mit Seifen- und Desinfektionsmittelspender und ein Müllbehälter. Zum Patientenzimmer gehört eine eigene Nasszelle, in der sich meist zusätzlich ein Steckbeckenspülgerät befindet. Kontaminierte Gegenstände werden über die Schleuse entsorgt. Ver- und Entsorgung laufen getrennt ab.

  • Der Patient darf das Zimmer nicht verlassen.
  • Kontakte zur Außenwelt sind möglich über Gegensprechanlagen, Telefon oder Briefe.
  • Eventuelle Besucher müssen über das Infektionsrisiko und die Schutzmaßnahmen aufgeklärt sein, was sie schriftlich bestätigen müssen.
  • Kindern ist der Zutritt nicht gestattet
  • Persönliche Gegenstände des Patienten werden bei der Entlassung desinfiziert.

Schutzkittel und Füßlinge sind heutzutage überwiegend zum Einmalgebrauch. Schutzmasken verhindern das Aus- und Einatmen mit ansteckenden Partikeln. Sie bedecken Mund und Nase und sollen dicht abschließen.

Pflegemaßnahmen werden prinzipiell nur mit Einmalhandschuhen durchgeführt.

Nach jeder Pflegetätigkeit und beim Verlassen des Quarantänezimmers sind die Hände vorschriftsmäßig zu desinfizieren.

Pflegeutensilien werden nur patientenbezogen eingesetzt und bleiben im Isolierzimmer.

Die Dokumentation darf nicht in das Isolierzimmer mitgenommen werden, auch nicht bei Visiten.

Infektiöse Wäsche kommt in spezielle Wäschesäcke, nasse Wäsche wird zusätzlich durch einen Kunststoffsack gesichert.

Geschirr muss im Zimmer vor der Schleuse bereits desinfiziert werden.

Infektiöses Sputum wird in Einwegbehältern verbrannt.

 

 

HIV (Humane Immundefizienz-Virus)

AIDS (Acquired Immunodefficiency Syndrom)

 

 

Das Humane Immundefizienz-Virus wird zumeist als HIV abgekürzt. HIV gehört zur Familie der Retroviren (große Familie behüllter Viren) und zur Gattung der Lentiviren (viele dieser Viren lösen langsam fortschreitende, chronisch degenerative Krankheiten aus). Als menschliches Immunschwäche-Virus schädigt HIV die körpereigenen Abwehrkräfte, das Immunsystem.

Übertragen wird HIV durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Vaginalsekret, Liquor und Muttermilch. Übertragungswege sind hauptsächlich frische, noch blutende Wunden in Schleimhäuten, ungeschützter Vaginal- oder Analverkehr, Bluttransfusionen und die Benutzung kontaminierter Spritzen. Da HIV nicht über Speichel, Schweiß, Tränenflüssigkeit, Tröpfcheninfektion, Insektenstiche oder Kontakte bei intakter Haut ansteckend ist, ist ein soziales Miteinander gefahrlos.

1. Stadium: „Primäre“ HIV-Infektion

Eine HIV-Infektion beginnt zunächst unauffällig. Nach einer Inkubationszeit von etwa drei bis sechs Wochen treten Symptome wie Fieber, starker Nachtschweiß, Erschöpfung, Hautausschläge, meist kleine Geschwüre der Mundschleimhaut, Schluckbeschwerden, Mandel- und Lymphknotenschwellungen, Durchfälle oder Gelenkschmerzen auf, die in der Regel von Betroffenen nicht als HIV erkannt, sondern als grippaler Infekt gedeutet werden. Die Beschwerden klingen nach wenigen Tagen oder Wochen restlos ab. Die „primäre“ HIV-Infektion kann aber auch "klinisch stumm", also ohne deutlich erkennbare Symptome ablaufen. In dieser Zeit ist die Viruslast am höchsten. 

2. Stadium: Latenzphase (Zeitraum zwischen dem Einwirken eines den Organismus schädigenden Umweltfaktors und den daraus resultierenden Symptomen)

Das Immunsystem erkennt die sich sehr rasch und massiv vermehrenden Viren. Es setzt ihm körpereigene Abwehrzellen entgegen, z.B. Helferzellen, Suppressorzellen (verhindern, dass eine überreagierende Immunantwort sich gegen den eigenen Körper richtet) und Killerzellen (Immunzellen, die infizierte Zellen zerstören können). Es bilden sich Antikörper (nachweisbar durch den HIV-Test) und die Viruslast (= Zahl der Viren pro Milliliter Blut) sinkt. Nun beginnt eine unterschiedlich lange, oft mehrjährige symptomfreie Latenzphase. Veränderte Blutwerte bleiben zumeist unbemerkt.

3. Stadium: Symptomatisches Stadium

In diesem Stadium steigt die Viruslast und das Gleichgewicht von Abwehrzellen und Antikörpern geht verloren. Es treten wieder Symptome auf wie Nachtschweiß, Erschöpfung, Hautausschläge, Lymphknotenschwellung, etc. Besonders häufig kommt es zu Pilzerkrankungen. Dieses Stadium kann wenige Wochen bis mehrere Jahre dauern. Die Erkrankungen sind aber nicht lebensbedrohlich.

4. Stadium: AIDS

In der vierten Phase treten die AIDS-definierenden Erkrankungen auf. AIDS bedeutet Acquired Immunodefficiency Syndrome, deutsch ein erworbenes Immundefektsyndrom. AIDS ist also das Spätstadium der HIV-Infektion. Der Körper kann eindringende Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren nicht mehr bekämpfen. Es besteht ein erhöhtes Ansteckungsrisiko vor allem mit Viren der Herpes-Gruppe, Candida, Streptokokken und Pneumokokken. Die daraus resultierenden Infektionskrankheiten verlaufen extrem. Durch die Schwächung des Immunsystems treten außer schweren Infektionen wie beispielsweise Pneumonie auch Symptome wie zum Beispiel Veränderungen in der Struktur des Herzmuskels, Gehirn- oder Krebserkrankungen auf.

Nachgewiesen wird das HIV durch HIV-Tests. Ein HIV-Test darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Betroffenen durchgeführt werden. In Deutschland ist der Nachweis des HIV nach dem Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig.

Bei AIDS spricht man von einer Pandemie, das heißt, diese Krankheit hat sich länder- und kontinentübergreifend ausgebreitet. Weltweit sind in den letzten 30 Jahren etwa 40 Millionen Menschen daran gestorben. Inzwischen hat man allerdings den Verdacht, dass AIDS nicht erst seit den 1980er Jahren auftrat, sondern in Afrika bereits in den 1950er Jahren keine Seltenheit war. 

AIDS ist nach wie vor nicht heilbar, inzwischen aber gut therapierbar. Medikamente können beispielsweise die Latenzphase um Jahre, sogar Jahrzehnte verlängern. Die Lebenserwartung der Betroffenen ist deutlich gestiegen. Momentan scheinen die Neuinfektionen weltweit zurückzugehen, besonders in Afrika, gleichzeitig steigt die Zahl der Infizierten, die mit HIV-Medikamenten behandelt werden. 

 

 

 

 

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!