Demenz: Übersicht
 

 

 

Demenz

 
(lat. de = abnehmend, mens = Verstand) 
 
 
Demenz umfasst verschiedene Erkrankungen. Definition der WHO: Demenz ist ein Syndrom mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet. Für die Diagnose einer Demenz müssen die Symptome über mindestens sechs Monate bestehen. 
 
Leitsymptom ist die Gedächtnisstörung, die zunächst das Kurzzeitgedächtnis (KZG) betrifft bei intaktem Langzeitgedächtnis (LZG). Mit zunehmenden Krankheitsverlauf „dehnt“ sich das KZG aus, das LZG „schrumpft“. (Beispiel: Betroffene vergisst aktuelle Termine, verlegt Dinge, hat vergessen, dass sie backen wollte und vergisst, den Backofen auszumachen. Sie kennt ihre ehemaligen Kollegen, kann sich an Betriebsfeiern erinnern. Mit zunehmenden Krankheitsverlauf vergisst sie die Erinnerungen an ihre Arbeitsstelle, erkennt die ehemaligen Kollegen nicht mehr, erinnert sich aber noch gut an ihre Schulzeit.)
 
Mit zunehmenden Lebensalter steigt das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Als weitere Risikofaktoren gelten Depressionen, Hypertonie, hoher Homocysteinspiegel (Homocystein = körpereigene Aminosäure), Adipositas, Morbus Parkinson und Diabetes mellitus.
 
Zur Zeit ist Demenz nicht heilbar, der Krankheitsverlauf kann aber positiv beeinflusst werden.
 
Es wird unterschieden in primäre und sekundäre Demenz. 
 
Primäre Demenzen (Etwa 90% der diagnostizierten Demenzen) 
Neurodegenerative Demenz (Störungen in der Kommunikation zwischen den Nerven des Gehirns)
Vaskuläre Demenz (Durchblutungsstörungen von Gehirnarealen)
Mischformen (Im klinischen Befund sowohl vaskuläre als auch neurodegenerative Symptome)
 
Sekundäre Demenz
Folge von chronischen Vergiftungen (Alkohol, Medikamente, Drogen) oder anderen Krankheiten wie z.B. Herz-Kreislaufkrankheiten, Schilddrüsenerkrankungen, Morbus Parkinson oder Hirnverletzungen. Die funktionellen Störungen des Gehirns können sich normalisieren, wenn die Grunderkrankung erfolgreich behandelt werden kann. 
 
 
  
Links gesundes Gehirn, rechts krankes Gehirn (Morbus Alzheimer) 
 
 
Die bekannteste und am häufigsten diagnostizierte Demenz ist Morbus Alzheimer. Die Krankheit beginnt schon mehrere Jahre vor den ersten Symptomen. Im Gehirn entstehen Ablagerungen aus Eiweißbruchstücken, die Plaques. Die Plaques behindern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Es kommt zu einer Hirnatrophie (Schrumpfung des Gehirns) vor allem in den Regionen des Gehirns, die an der Entwicklung von Gedächtnis, Sprache und Denkfähigkeit beteiligt sind. Bis jetzt ist die Ursache für Morbus Alzheimer nicht geklärt und auch nicht, ob die Plaques Ursache oder Folge der Hirnatrophie sind. 
 
Die vaskuläre oder gefäßbedingte Demenz gilt als zweithäufigste Demenzform. Ursache sind Durchblutungsstörungen im Gehirn. Die vaskuläre Demenz tritt häufig mit Morbus Alzheimer als Mischform auf. Menschen mit Herzrhythmusstörungen, Hypertonie oder Arteriosklerose haben ein hohes Risiko an vaskulärer Demenz zu erkranken. Nach Apoplex entwickelt sich bei bis zu 30 Prozent der Betroffenen eine vaskuläre Demenz.
 
Die Lewy-Körper-Demenz ist wie Morbus Alzheimer eine neurodegenerative Demenz. Sie wird zu den sekundären Demenzen gezählt, da sie oft im Rahmen einer bereits bestehenden Parkinson-Krankheit festgestellt wird, kann aber auch als eigenständige Erkrankung auftreten (In dem Fall gehört sie dann eigentlich zu den primären Demenzen). 
 
Es besteht die Gefahr, Demenz mit anderen Störungen oder Erkrankungen zu verwechseln:
 
PTBS
Depression
Folgen von Mobbing, BurnOut
Chronischer Stress
„Altersvergesslichkeit“
Verweigerungs- und Vermeidungsverhalten
Deprivation, Hospitalismus
Psychische Erkrankungen
Dehydratation
 
Die Symptome der Demenz im kognitiven, emotionalen und motorischen Bereich gestatten oft keine klare Abgrenzung zu Erkrankungen, die auch auf das limbische System einwirken. 
 
Symptome der Demenz
 
Verlust des KZG´es, gutes LZG (Chronische PTBS oft gutes KZG, Störungen im LZG) 
Wortfindungsstörungen
Rechenstörungen
Orientierungslosigkeit
Starke Müdigkeit
Zunehmend Probleme in der Feinmotorik
Schwierigkeiten bei komplexen Bewegungsabläufen
Sturzgefahr
Erhöhte Kontrakturengefahr
Apathie
Zielloses Umherirren
Essstörung
Gereiztheit
Labilität
Aggression
Schlafstörungen
Depression
Angstzustände
Wahnvorstellungen
„Enthemmung“
Halluzinationen
Euphorie
Akute Verwirrtheitszustände
Resignation
 
Psychotische Symptome sind bei allen Demenzen möglich. 
 
 
 
 
 
 

Umgang mit Demenz

 

 

Demenz-Erkrankten fällt es zunehmend schwer, sich in ihrem alltäglichen Umfeld zu orientieren. Das Risiko wächst, dass der Betreute sich und andere in Gefahr bringt. Die Lebensumstände müssen an die Bedürfnisse der Kranken angepasst werden. Demenz schränkt die Fähigkeit ein, sich in der Umgebung zurechtzufinden. Mangelnde Orientierung wirkt verunsichernd und verstärkt das Krankheitsbild.

 

Demenzerkrankte benötigen Orientierungshilfen:

> Vertraute Gegenstände
> Gewohnte Ordnung 
> Möglichst Verzicht auf Veränderungen
 
Die räumliche Orientierung der kranken Person wird erleichtert durch:
 
> Eine einfache und übersichtliche Gestaltung des Wohnbereichs 
> Beibehaltung der gewohnten Ordnung von Möbel- und Erinnerungsstücken 
> Akzeptanz der als angenehm empfundenen Ordnung bzw. "Unordnung"
> Reduzierung von Zahl und Vielfalt von Reizen im Raum
> Funktionelle Kennzeichnung von Räumen und Aufbewahrungsorten
> Kontrastfarben zum Herausheben von Geländern, Türen, Schaltern usw. 
> möglichst helle und schattenfreie Beleuchtung
 
Einerseits erhöhen Vergesslichkeit und Wahrnehmungsstörungen des Kranken das Risiko von Selbst- und Fremdgefährdung. Andererseits sollte die Würde des kranken Menschen im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Aus dem berechtigten Wunsch heraus, ihn zu schützen, kann leicht ein Überwachen und Überbehüten werden, das dem Kranken den Rest der Eigenständigkeit raubt. Absolute Sicherheit ist nie erreichbar, es bleibt stets ein Restrisiko - auch bei gesunden Menschen!

Sicherheit im Wohnraum

> Wohnung oder Zimmer Kranken auf Gefahrenquellen hin abzuklopfen
> Sicherung des Küchenherdes durch automatische Absperrventile
> Zeitschaltuhren oder Gas- und Temperaturmelder
> Markierung der Heißwasserhähne
> Einstellung der Temperatur des Heißwasserboilers (niedrig)
> Gefährliche Elektrogeräte wie Bügeleisen außerhalb der Reichweite
> Entfernung oder Sicherung von rutschenden Teppichen oder Läufern
> Beseitigung von Stolperstellen
> Haltegriffe im Badezimmer
> Beidseitige, stabile Handläufe an der Treppe
> Sicherung von Fenstern und niedrigen Geländern
> Evtl. Gittertür am oberen Ende von Treppen
> Medikamente, Haushaltschemikalien und Tabakwaren unter Verschluss
 
Demenzkranke zeigen, besonders im mittleren Stadium der Krankheit, einen ausgeprägten "Wandertrieb". Ein erhebliches Risiko besteht, wenn der Kranke das Haus verlässt. „Einschließen“ aus Sicherheitsgründen ist eine schwierige Entscheidung. Es wirkt sich zumeist negativ auf das Befinden aus und wird als unverständliche Strafe oder Bedrohung empfunden. Deshalb sollten erst alle "sanften" Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

"Wandern und Verirren" 

> Verbergen der Haustür hinter einem Vorhang oder Wandschirm
> Klangspiele an der Tür, die anzeigen, dass die Tür geöffnet wird
> Verstecken von Gegenständen wie Hut, Spazierstock, Straßenschuhe
> Informierung der Nachbarn und Geschäftsinhaber der Gegend
> Armbänder, Namensschilder oder Ketten mit der Telefonnummer
 
Die Demenzerkrankung verhindert oft, die Freizeit wie gewohnt zu gestalten. Die Angst vor Versagen und peinlichen Situationen zwingt oft in Passivität und Isolation. Die Kranken brauchen Tätigkeiten, um Bestätigung und das Gefühl der Zugehörigkeit zu erleben und um die quälende Unruhe zu lindern. Es sollte ermöglicht werden, dass sie weiterhin aktiv am Leben teilnehmen können. Aktivitäten steigern das Wohlbefinden. Verbliebene Fähigkeiten und Ressourcen werden lange erhalten. Der Krankheitsverlauf wird gemindert oder verzögert.

Tätigkeiten

> Unterforderung vermeiden (Abhängigkeitsgefühl, Selbstachtung)
> Keine Überforderung (Versagensängste)
> „Sinnvoll“ (z.B. Staubwischen oder Gartenarbeiten - „nützlich“)
> Suche nach Tätigkeiten, die früher gerne und oft ausgeübt wurden
> Bei fortgeschrittener Krankheit Akzeptanz von Monotonie (Sicherheit)
> Kein Perfektionismus, Akzeptanz der verringerten Maßstäbe
> Vermeidung von Kritik (Unvermögen, der Argumentation zu folgen)
> Lob (Aktiviert, steigert Selbstbewusstsein)
> Arbeitsprozesse in überschaubare, kleine Schritte gliedern
> Kopieren ermöglichen (Demonstrative Handlungen zum „Abschauen“)
> Anpassung (Reduzierte Tätigkeit, vereinfachte Regeln)
> Gemeinsames Musizieren, Tanzen oder Singen vertrauter Lieder 
> Gemeinsame Spaziergänge, Schaufensterbummel etc 
> Tätigkeiten, die Erinnerungen wiederbeleben
> Einfache Bewegungsübungen oder Gymnastik. 
 
Die Möglichkeit, sich mit Hilfe der Sprache zu verständigen, nimmt mit dem Fortschreiten der Demenz ab. Schwierigkeiten bei der Verständigung führen zunehmend in Isolation. Die verbalen Äußerungen Demenzkranker scheinen mit der Zeit immer zusammenhangsloser und inhaltsleerer zu werden. Daher muss auf den Sinn hinter dem Gesagten geachtet werden. Körperliche Zuwendung beim Gespräch kann Sicherheit vermitteln und das Gesagte verdeutlichen.

Kommunikation

> „Verbal abholen“ (über Gespräche aus der Vergangenheit Brücke zum Jetzt)
> Filtern (Rufe nach der toten Mutter könnte Wunsch nach Zuwendung sein)
> Körpersprache einsetzen
> Deutliche Mimik und Gestik (Übereinstimmung mit Sprache)
> Blickkontakt halten (Nicht beim Sprechen abwenden)
> Deutlich und langsam sprechen
> Einfache, kurze Sätze (Nur eine Mitteilung auf einmal)
> Keine „Oder-Fragen“, bejahende Sätze
> Schnelle Bewegungen vermeiden
> Zeit geben für Antworten
> Keine Korrekturen (Wort- oder Satzfehler)
> Ermunterung zum Sprechen
> Auf zusätzliche Probleme achten (z.B. Schwerhörigkeit)
 
Die zeitliche Orientierung geht zunehmend mit dem Krankheitsverlauf verloren. Der Tag kann nicht mehr in sinnvolle Abschnitte gegliedert werden. Jahreszeiten, Feste, Rituale sind Fixpunkte zur zeitlichen Orientierung. Werden die Kranken alleine gelassen, empfinden sie oft wenige Minuten als endlose Stunden. Die zeitliche Orientierungslosigkeit löst große Ängste aus. Ritualisierungen vermitteln Orientierung und Sicherheit.

Zeitliche Orientierung

> Feste Zeiten für Aktivitäten (Mahlzeiten, Schlafengehen, Spaziergang)
> Angepasste Information (Statt Zeitangabe „Ich hole Sie ab!“, „Nach dem Essen!)
> Gewohnheiten (z.B. Samstag Badetag)
> Zyklische Rituale (Gänsebraten - Weihnachten, Torte - Geburtstag)
> Gut sichtbare Kalender, tägliche Datum hervorheben
> Gut sichtbare Uhren mit großen Zeigern
> Uhrzeit, Datum, Jahreszeit oft in Gespräche einfließen lassen
 
Besucher sind eine willkommene Abwechslung und wichtig zur Vermeidung von Isolation. Scham über abweichende Verhaltensweisen oder „Rücksichtsnahme“ auf den Menschen mit Demenz schaden. Einladungen, gemeinsame Café- oder Restaurant-Besuche, Kontakt zu Freunden und Nachbarn helfen, das Selbstwertgefühl des Demenzkranken zu steigern. Verhaltensnormen werden „abgesehen“ und trainiert.

Kontakte

> Außenstehende haben durch Distanz oft Blick auf verborgene Probleme
> Verwandte, alte Freunde halten die Verbindung zur Biographie
> Offene Gespräche, Informationen zur Krankheit festigen Kontakte
> Anzahl der Besucher sollte überschaubar sein (Überforderung)
> Toleranz statt Scham gegenüber abweichendes Verhalten 
> Besucher über sinnvolle Reaktionen auf Verhaltensauffälligkeiten aufklären
> Korrekturen vermeiden 
> Besuchern Übernahme von Verantwortung gestatten
> Bevormundungen unterlassen, bzw unterbinden
> Rituale schaffen
 
Menschen mit Demenz benötigen zunehmend Unterstützung bei der Körperpflege. Ein schwerer Einschnitt in ihre Intimsphäre. Zusätzlich werden Abhängigkeiten geschaffen. Demenzerkrankte wehren sich deshalb häufig gegen Hilfsangebote, weil sie diese als Demütigung begreifen. Hilfeleistungen sollten daher immer die Würde des alten Menschen berücksichtigen.

Körperpflege

> Hygienevorstellungen beachten (Hygienenorm der Pflegenden unrelevant)
> Lebenslange Gewohnheiten beibehalten
> Hilfestellungen auf das Notwendigste beschränken
> Hilfe zur Selbsthilfe (Anreichen, um gewünschte Tätigkeit in Gang zu setzen)
> Hilfeleistungen taktvoll
> Ritualisierter Ablauf
> Haltegriffe, rutschfeste Matten, Duschsitze (Sicherhei)
> Kontrolle der Wassertemperatur
> Positive Reize (weiche Handtücher, gutriechende Düfte, Massage)
> Auf Wünsche eingehen (Lackierte Nägel, Schminken, Frisur)
 
Für Menschen mit Demenz wird es im mittleren Stadium immer schwieriger, sich selbstständig zu kleiden. Die Reihenfolge der Kleidung wird vergessen oder beim Anziehen wissen sie plötzlich nicht mehr, ob sie sich gerade an- oder ausziehen wollen. Ihnen entgeht, wann sie das letzte Mal die Wäsche wechselten. Kleidungsdetails wie kleine Schnürsenkel, Knöpfe oder Haken werden zu Hindernissen. Witterungsgemäße Bekleidung wird oft nicht mehr erkannt.

Kleidung

> Hilfestellungen auf das Notwendigste beschränken, Hilfe zur Selbsthilfe
> Kleidung in der richtigen Reihenfolge zurecht legen
> Hilfeleistungen taktvoll
> Kleidung gemeinsam aussuchen
> Der Jahreszeit angemessene Kleidungsstücke zur Auswahl anbieten
> Evtl. nachts verschmutzte Kleidung ersetzen
> Große Reißverschlüsse, Klettverschlüsse, große Knöpfe, elastische Bünde
> Schlupfschuhe mit rutschfester Sohle 
> Lockere Kleidung, weite Ärmel und Ausschnitte, keine Rückverschlüsse
 
Mahlzeiten sind für Demenzkranke immens wichtig. Sie bedeuten nicht nur eine erfreuliche Abwechslung im Tagesablauf, sondern unterstützen die zeitliche Orientierung, knüpfen an Erfahrungen und Erlebnisse an und erinnern an frühere Rituale. Gemeinsame Mahlzeiten fördern das Gemeinschaftsgefühl. Dennoch werden Essenzeiten vergessen oder verweigert, weil der Kranke glaubt, bereits gegessen zu haben. Oder Erkrankte möchten ständig essen, weil sie die letzte Mahlzeit sofort vergessen haben.

Essen und Trinken

> Angenehme und spannungsfreie Mahlzeiten
> Keine Kritik an Tischmanieren
> Selbstständigkeit bei der Nahrungsaufnahme unterstützen
> Notfalls das Essen mundgerecht anrichten
> Bei Überforderung zur Speisenauswahl fertigen Teller anbieten
> Mit Fingern essen lassen, wenn nichts anderes möglich (fingergerecht)
> Nahrungsmittel, mit denen der Kranke zurecht kommt (Kuchen statt Pudding)
> Bei unzureichender Nahrungsaufnahme evtl. künstliche Ernährung
> Zu reichliche Nahrungsaufnahme regulieren (Obst, Jogurt)
> Auf ausreichend Ballaststoffe, Obst, Gemüse achten
> Auf ausreichend Flüssigkeit achten
> Vertraute Trinkgefäße (Keine Schnabelbecher)
> Schwere Tassen  (Erinnerung: halten etwas in der Hand)
> Bestecke mit großen Griffen erleichtern die Handhabung
> Schwere Bestecke (Erinnerung: halten etwas in der Hand)
> Abgestumpfte Messer
> Rutschfeste Unterlagen für Teller
> Tellerränder
> Geschirr nicht randvoll machen
> Kontrolle der Speisentemperatur
> Lieber mehrere kleine als eine große Mahlzeit
> Ungemusterte Tischdecken (Ablenkung, Hindernis)
> Farblich abhebendes ungemustertes Geschirr
> Feste Essenszeiten
> Hauptmahlzeit mittags (Schlafprobleme) 
> Essgewohnheiten, Vorlieben beachten
> Ritualisierte Mahlzeiten
> Tischdekoration (Das Auge isst mit)
> Vertraute Utensilien (Tischtuch, Wachstuchdecke)
> Mahlzeiten zur Zeitstrukturierung nutzen (Sonntagessen, Freitag Fisch)
 
Inkontinenz ist eine häufige Begleiterscheinung der Demenz. Das Gehirn verliert durch Abbauprozesse die Kontrollfunktion über die Ausscheidung. Dennoch medizinisch abklären lassen, ob die Demenz ursächlich für die Inkontinenz ist oder eine körperliche Störung. Eine Inkontinenz bedeutet für den Dementen eine schwerwiegende Veränderung seines bisherigen Lebens. Scham, Schuldgefühle, das Gefühl des Versagens untergraben das Selbstwertgefühl.

Ausscheidung

> Taktvoller, verständnisvoller, sachlicher Umgang
> Deutliche Kennzeichnung der Toilette (Farblich, symbolträchtiges Schild) 
> Weg zur Toilette kennzeichnen
> Kurze, leicht zu findende Wege zur Toilette
> Ausstattung (Toilettenraum temperiert, Toilette bequem, Haltegriffe)
> Leicht zu öffnende Kleidung
> Beobachtung (dokumentierte Zeiten zeigen, wann der WC-Gang erforderlich) 
> Signale (Wenn Stuhl- und Harndrang nicht mehr gedeutet werden können)
> Nonverbale Zeichen beachten (Nesteln an der Hose, verstärkte Unruhe)
> Regelmäßig zur Toilette führen 
> Hilfsmittel
 
 
 
 
 
 
 

Alois Alzheimer

 

Film über Morbus Alzheimer und dem Entdecker der Krankheit Alois Alzheimer vom BR Mediathek:

 

1. Alois Alzheimer - Verloren im Vergessen Lehrjahre

2. Alois Alzheimer - Verloren im Vergessen Der Fall Auguste Deter

3. Alois Alzheimer - Verloren im Vergessen Die Entdeckung

 

 

 

Yvonne Herber starb am 20. Januar 2015 im Alter von 46 Jahren. In den Wochen vor ihrem Tod ging es ihr wesentlich besser, war ausgeglichen, konnte sogar einige Schritte laufen, genoss Nähe, sodass niemand zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Tod rechnete.

 

Sehr zu empfehlen ist das Buch ihres Mannes:

Der lange Abschied

Hans Jürgen Herber

Als meine Frau mit 40 an Alzheimer erkrankte

ISBN: 978-3-8436-0625-7

 

 
Naomi Feil
 
 
Wer behauptet, Pflege sei langweilig, kennt Naomi Feil nicht. Man kommt nach drei Stunden aus einem Vortrag heraus, denkt, es waren drei Minuten und hat nichts gelernt - aber alles begriffen. 
 
Geboren 1932 in München, aufgewachsen in Cleveland, Ohio (Vater: Leiter Altersheim, Mutter dort Leiterin der Abteilung Sozialarbeit); Studium an der Columbia University in New York: Masters Degree für Sozialarbeit; Arbeit mit alten dementen Menschen, Kritik an den traditionellen Arbeitsmethoden 
 
Zwischen 1963 und 1980 Entwicklung der Validations-Methode
1982: "Validation, The Feil Method" (dtsch. Titel: Validation, ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen, 1990)
1992 Überarbeitung des Buches
1993 "The Validation Breakthrough" (dtsch. Titel: Validation in Anwendung und Beispielen)
Zahlreiche Filme und Videos zum Thema Altern und Validation von ihr und ihrem Mann
Executive Director des Validation Training Institutes (VTI) 
Gefragte Referentin besonders in Nordamerika und Europa (seit 1989 drei Vorträge pro Jahr)
 
 
Grundprinzipien
 
Jemanden zu validieren bedeutet, seine Gefühle anzuerkennen, ihm zu sagen, dass seine Gefühle wahr sind. Ablehnung von Gefühlen verunsichert. Mit der Methode der Validation dringt man durch Einfühlvermögen in die innere Erlebniswelt der desorientierten Person vor und schafft so Vertrauen. Vertrauen schafft Sicherheit, Sicherheit schafft Stärke, Stärke stellt das Selbstwertgefühl wieder her, Selbstwertgefühl verringert Stress. Validations-Anwender fangen die Signale ihrer Patienten auf und kleiden sie in Worte. 
 
 
Validation ist:
 
  • Entwicklungstheorie für alte, mangelhaft / unglücklich orientierte und desorientierte Menschen
  • eine Methode, ihr Verhalten einzuschätzen
  • eine spezifische Technik, die diesen Menschen hilft, durch individuelle Validation und 
  • Validations-Gruppen ihre Würde wieder zu gewinnen
 
Validationziele sind:
 
  • Wiederherstellen des Selbstwertgefühls
  • Reduktion von Stress
  • Rechtfertigung des gelebten Lebens
  • Lösen der unausgetragenen Konflikte aus der Vergangenheit
  • Reduktion chemischer und physischer Zwangsmittel
  • Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation
  • Verhindem eines Rückzugs in das Vegetieren
  • Verbesserung des Gehvermögens und des körperlichen Wohlbefindens
 
 
Theoretische Annahmen
 
Den theoretischen Annahmen von Validation liegen Grundprinzipien zugrunde, die von der behavioristischen (Behaviorismus = Verhaltens-wissenschaft), analytischen und humanistischen Psychologie entwickelt wurden:
 
1. Akzeptieren Sie den Patienten, ohne ihn zu beurteilen (Carl Rogers )
 
2. Der Therapeut kann weder Einsicht schaffen noch Verhalten ändern,   
    wenn der
· Patient nicht bereit ist, sich zu ändern
· oder nicht die kognitive Fähigkeit zur Einsicht hat (Sigmund Freud )
 
3. Der Patient ist ein einzigartiges Individuum (Abraham Maslow)
 
4. Ausgedrückte Gefühle werden schwächer, ignorierte oder geleugnete Gefühle stärker. Eine nicht beachtete Katze wird ein Tiger. (C. G. Jung)
 
5. Jedes Lebensstadium hat seine spezifische Aufgabe, die wir zu einem bestimmten Zeitpunkt lösen müssen. Wir müssen danach streben, die Aufgabe zu erfüllen und dann zur nächsten schreiten. (Erik Erikson)
 
6. Übergangene Aufgaben melden sich später wieder. (Erik Erikson)
 
7. Menschen streben nach Gleichgewicht. (S. Zuckermann )
 
8. Versagt das Kurzzeitgedächtnis, stellen alte Menschen durch frühe Erinnerungen das Gleichgewicht her. Lässt die Sehstärke nach, sehen sie mit dem inneren Auge; versagt das Gehör, holen sie Klänge aus der Vergangenheit. (Wilder Penfield)
 
9. Frühe, gefestigte Erinnerungen überleben bis ins hohe Alter. (F. G., Schettler und G. S. Boyd)
 
10. Das Gehirn ist nicht der einzige Verhaltensregulator im hohen Alter. Verhalten beruht auf einer Kombination von körperlichen, sozialen und intrapsychischen Veränderungen, die im Laufe des Lebens stattfinden. (Adrian Verwoerdt)
 
11. Autopsien haben ergeben, dass viele alte Menschen trotz ernster Beeinträchtigung des Gehirns relativ orientiert bleiben. (Charles Wells)
 
12. Es gibt immer einen Grund hinter dem Verhalten von desorientierten, alten Menschen. (Naomi Feil)
 
13. Jeder Mensch ist wertvoll - wie desorientiert er auch sein mag. (Naomi Feil)
 
 
 
 
Integrative Validation (IVA)
 
 
 
Nicole Richard war Diplom-Pädagogin und Diplom-Psychogerontologin (Universität Erlangen-Nürnberg). Sie entwickelte die Validation nach Naomi Feil weiter und gründete ein Institut für Integrative Validation in Kassel, das Grund- und Aufbaukurse in der IVA anbot.
 
Die Integrative Validation (IVA) nach Nicole Richard ist eine verbale, nonverbale und paraverbale (nicht-inhaltliche, hörbare Bestandteile des Sprechens wie individuelle Sprechereigenschaft, Stimmlage, Resonanzraum, Sprechverhalten, Artikulation, Lautstärke, Sprechtempo, Sprachmelodie, etc). Kommunikationsform, die sich auf die Gefühlsebene konzentriert. 
 
Im Gegensatz zu Feil nimmt Richard an, dass dem desorientierten Verhalten dementer Menschen pathologisches Geschehen zugrunde liegt. 
 
IVA versteht sich daher nicht als Therapie zur Bewältigung ungelöster Lebensaufgaben und -probleme, sondern als Methode zum Umgang mit Demenzkranken, um Überforderung und Aggression zu vermeiden.
 
Oberstes Prinzip ist, die ausgedrückten Gefühle des Demenzkranken ernst zunehmen.
 
Zentrale Aspekte der IVA sind die Ressourcen der Verwirrten. Integrative Validation lässt sich auf die Sichtweise der Realität des Gegenübers ein, korrigiert nie. Gerade die hinter den (scheinbar) verwirrten Äußerungen Demenzkranker liegenden Mitteilungen und mit ihnen verbundenen Gefühle werden angenommen, wertgeschätzt und akzeptiert.
 
IVA wird einen maximalen Effekt nur in der Teamarbeit haben. Nutzt nichts, wenn ein Mitarbeiter der Station Validationstechniken beherrscht und anwendet, und der nächste nicht. 
 
Wesentlich ist, dass gezeigtes Verhalten versprachlicht wird. "Sie sind sehr wütend." So kann angestautes Gefühl abfließen und das Verhalten positiv beeinflussen.
 
Demenzkranke und Pflegepersonen haben weniger Stress und mehr Zufriedenheit. 
 
 
 
Lernzielkontrolle Validation
 
 
 

 

Die Pflege hat am 11.7.2014 eine bedeutende Persönlichkeit verloren:

Nicole Richard

          

Foto: N. Dietrich

„Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall, wo wir sind“ (Victor Hugo)

 
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