Diabetes mellitus: Übersicht

Diabetes mellitus Diabetes mellitus Typ 1
Diabetes mellitus Typ 2 Seltene Formen des Diabetes
Diabetisches Koma Hypoglykämischer Schock
Diabetisches Gangrän (auch diabetisches Fußsyndrom)

 

 

Diabetes mellitus

Das Wort Diabetes mellitus kommt aus dem altgriechischen und bedeutet „honigsüßer Durchfluss“, da in der Antike der Diabetes mellitus durch eine Geschmacksprobe des Urins festgestellt wurde. Der Harn von Diabetikern schmeckt süß. Daher heißen diese Stoffwechselkrankheiten in der Umgangssprache auch „Zuckerkrankheit“. Beim Diabetes liegt eine Hyperglykämie (Erhöhte Blutzuckerwerte) vor. Verantwortlich dafür sind ein absoluter Insulinmangel oder ein relativer Insulinmangel, dass heißt, eine Insulinresistenz (abgeschwächte Wirksamkeit des Insulins) oder beide zusammen.
 
Maßeinheit für den BZ ist in vielen Ländern die Einheit mmol/l (Millimol pro Liter). In Deutschland wird der BZ in der älteren Eiheit mg/dl (Milligramm pro Deziliter) angegeben.
 
Normale Blutzuckerwerte
Nüchtern unter 100 mg/dl
Nach dem Essen maximal 160 mg/dl
 
 
Hyperglykämie = zu hoher Blutzuckerwert
Hypoglykämie = zu niedriger Blutzuckerwert 

 

Menschen mit Diabetes werden unter folgenden Voraussetzungen als schwerbehindert anerkannt:

  • wenn sie mindestens 4 Insulininjektionen täglich benötigen
  • wenn die Blutzuckermessungen und Insulindosierung dokumentiert sind
  • wenn die Insulindosis durch den Patienten je nach Ernährung, Bewegung und Blutzucker angepasst wird
  • wenn die Lebensführung gravierend beeinträchtigt ist durch erhebliche Einschnitte

 

 

Diabetes mellitus Typ 1

 

 

  • Früher juveniler Diabetes mellitus (Manifestationsalter meist vor dem 40. Lebensjahr)
  • Insulinabhängiger Diabetes mellitus
  • Zerstörung der Betazellen der Langerhans-Inseln der Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
  • Oft Autoantikörper gegen Inselzellen
  • Vermutung: Autoimmunerkrankung, ausgelöst evtl. durch Virusinfekte
  • Keine familiäre Disposition
  • Etwa 0,4% der Gesamtbevölkerung

Symptome
 
  • Meist rascher Beginn der Erkrankung
  • Polyurie (Krankhaft erhöhte Urinausscheidung), Kinder werden oft zu „Bettnässern“
  • Meist normalgewichtig, ausgeprägte Gewichtsabnahme in kürzester Zeit
  • Exsikkose (Austrocknung)
  • Ständiges Durstgefühl (Bedingt duch Exsikkose)
  • Labiler Stoffwechsel
  • Erbrechen
  • Wadenkrämpfe
  • Bauchschmerzen
  • Müdigkeit, Kraftlosigkeit
  • Sehstörungen
  • Konzentrationsstörungen 
  • Oft Kopfschmerzen
  • Lebenslange Insulintherapie

 

Maßnahmen:

  • Diät
  • Insulin
  • Bewegung

 

 

 

Diabetes mellitus Typ 2

 
   

 

  • Insulinunabhängiger Diabetes mellitus
  • Insulinresistenz (Wirkt ungenügend an Zellmembranen, verminderte Insulinwirkung an Leber-, Muskel- und Fettzellen)
  • Zunächst Kompensation, indem die Pankreas verstärkt Insulin erzeugt bis zur Überforderung
  • Hyperinsulinismus (Produziert mehr körpereigenes Insulin als der Stoffwechselgesunde)
  • Begünstigende Faktoren: Übergewicht, Bewegungsmangel, Schwangerschaft, Stress, bestimmte Medikamente
  • Familiäre Disposition 
  • Früher Altersdiabetes (trat in der Regel erst im höheren Lebensalter auf, wird inzwischen auch bei immer mehr jüngeren Menschen diagnostiziert)
  • Etwa 5% der Gesamtbevölkerung

 

Symptome

  • Langsamer, schleichender Beginn der Erkrankung
  • Häufige Harnwegsinfekte
  • Pruritus (Hautjucken)
  • Mykosen (Pilzinfektionen)
  • Furunkel (Tiefe, schmerzhafte Entzündung des Haarbalgs und des umliegenden Gewebes)
  • Sehstörungen, Sehschwäche
  • Häufig Fettstoffwechselstörung
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Übergewicht

Wenn Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert wird, liegen meist bereits Langzeitschäden vor!

 

Maßnahmen

  • Gewichtsreduktion
  • Diät
  • Bewegung
  • Orale Antidiabetika
  • Letzte Intervention Insulin

 

 

Seltene Formen des Diabetes
 
Sekundärer Diabetes ist selten und Folge anderer Krankheiten wie
 
  • Erkrankung der Pankreas (Z.B. chronische Pankreatitis). Häufige Ursache: Alkoholabusus. Der Diabetes mellitus entwickelt sich erst, wenn etwa 90 Prozent der insulinproduzierenden Zellen zerstört sind.
  • Erkrankungen der hormonproduzierenden Drüsen. (Schilddrüsen- und Wachstumshormone oder Kortison) Zu große Mengen dieser Hormone können Diabetes mellitus auslösen.
  • oder Medikamente (Beispielsweise langjährige Einnahme von Cortison)
 
Schwangerschaftsdiabetes
 
Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) tritt meist nur während der Schwangerschaft auf. Häufigste schwangerschaftsbegleitende Erkrankung (Etwa ein bis fünf Prozent aller Schwangeren). Frauen, die während einer Schwangerschaft an Diabetes erkrankten, entwickeln oft später einen Diabetes mellitus Typ 2.
 
LADA-Diabetes
 
LADA-Diabetes (Latent Autoimmune Diabetes of Adults) ist eine Sonderform des Diabetes mellitus Typ 1. Betroffen sind meist Menschen im Alter von 25 bis 40 Jahren. Diese Form von Diabetes kann oft lange mit einer Diät oder Tabletten behandelt werden. Ansonsten hat LADA die gleichen Merkmale des Typ 1. Im Blut sind Antikörper nachweisbar, die die insulinproduzierenden Zellen zerstören.
 
MODY-Diabetes
 
MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young) entwickelt sich bei jungen Menschen unter 25 Jahren. Erkrankung ist sehr selten und die Ursache sind Gen-Defekte. MODY-Diabetes ist vererbbar. Die Erkrankung verläuft relativ leicht.
 
 
 
 
Diabetisches Koma
 
Diabetes mellitus Typ 1: Absoluter Insulinmangel, der Blutzucker liegt zwischen 300 mg/dl - 700 mg/dl. Folgen sind Polyurie, Exsikkose und Übersäuerung (Azidose). Typisch ist eine regelmäßige, tiefe Atmung mit Acetongeruch (Kussmaulatmung). Es kann zum Nierenversagen kommen. Typisch sind ein harter Bauch und massive Bauchschmerzen, oft auch Herzrhythmusstörungen.
 
Diabetes mellitus Typ 2: Relativer Insulinmangel, der Blutzucker liegt zwischen 600 mg/dl - 1000 mg/dl. Folgen sind Polyurie, Exsikkose und evtl. ein Nierenversagen. 
 
Vorzeichen
  • Starker Durst (Polydipsie)
  • Ausgetrocknete Schleimhäute
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Niedriger Blutdruck
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Schwäche
 
Insbesondere durch die Exsikkose kommt es bei Typ 1 und Typ 2 zur zunehmenden Apathie, der Patient wird immer schlechter ansprechbar. Ohne Behandlung entsteht ein Koma mit tiefer Bewusstlosigkeit. 
 

Das diabetische Koma ist ein lebensbedrohender Zustand.

Sofort den Notarzt verständigen und den Betroffenen bis zu seinem Eintreffen in die stabile Seitenlage bringen.

 
 
 
 
Hypoglykämischer Schock
 
Ein hypoglykämischer Schock entsteht durch einen extrem niedrigen Blutzuckerspiegel. Beim hypoglykämischen Schock handelt es sich im Fall von Bewusstlosigkeit ebenfalls um ein Koma. Zu einer Hypoglykämie kann es durch eine Überdosierung von Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten kommen, wenn ein Diabetiker zu wenig isst oder zuviel Sport treibt. Starker Alkoholgenuss kann ebenfalls zu einer Unterzuckerung führen, auch bei Menschen ohne Diabetes, weil der Abbau des Alkohols die Leber daran hindert, Glukose (Traubenzucker) zu bilden.

 

Auch beim hypoglykämischen Schock besteht akute Lebensgefahr!

Bei Verdacht auf hypoglykämischen Schock, wenn der Betroffene noch nicht bewusstlos ist, stixen und dazu nötigen, etwas Traubenzucker oder ein süsses Getränk zu sich zu nehmen. Notarzt verständigen und bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen. 

Würfelzucker oder Schokolade werden nicht resorbiert, sind wirkungslos.

 
 
Vorzeichen
  • Pelziger Geschmack im Mund
  • Zunehmende Unruhe
  • Konzentrationsstörungen
  • Nervosität
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Aggressionen
  • Panik
  • Zittrig
  • Weiche Knie
  • Kribbeln
  • Blässe
  • Heisshunger
  • Herzklopfen
  • Kalte Schweissausbrüche
 
Symptome des Komas
  • Pulsrasen
  • Normaler Blutdruck
  • Kaltschweißige Haut
  • Manchmal Krampfanfälle

 

 
Diabetisches Gangrän (auch diabetisches Fußsyndrom)
 
Jede Wunde unterhalb des Knies bei Diabetikern
Schlecht heilende Wunden - Wundheilungsstörung
 
Ursachen
  • Schlecht eingestellter Diabetes mellitus (dauerhaft zu hoher Blutzuckerwert)
  • Es entstehen Nervenstörungen, durch die der Fuß keinen Schmerz empfindet (diabetische Polyneuropathie)
  • Oft arterielle Durchblutungsstörung
 
Hohe Blutzucker schädigen die peripheren Nerven, Gefäßinnenwände der Kapillaren und/oder Arterien
 
Folgen
  • Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Füßen
  • Unterversorgung des Gewebes
  • Vermehrte Hornhautbildung
  • Verformung des knöchernen Fußgewölbes 
 
Rauchen zusätzlicher Risikofaktor (Verschlechterung der Durchblutung)
 
Diabetisches Gangrän kann ausgelöst werden durch
  • Mechanische Einwirkung
  • Chemische Einwirkung
  • Thermische Einwirkung
 
Häufigste Ursache: zu enge Schuhe
 
Diabetiker merken nicht, wenn ein Schuh drückt oder ein Fremdkörper im Schuh ist.
 
Zweithäufigste Ursache: Anstoßen, Verletzung (Z.B. bei der Fußpflege), Überbelastung des Fußes (Z.B. Wanderungen), Barfußlaufen
 
Diabetiker sollten keine salicylhaltige Mittel zur Entfernung der Hornhaut benutzen (Verätzungen) und keine Wärmflaschen oder Wärmekissen gegen kalte Füße (Gestörtes Kälte-/Wärmeempfinden)
 
Mögliche Komplikationen: Entzündung und Auflösung der Knochensubstanz, Charcot-Fuß, Sepsis, MRSA
 
Pflegerische und medizinische Intervention
  • Druckentlastung (Orthesenschuhe, Rollstuhl, Bettruhe)
  • Schaffung eines heilungsfördernden Prozesses (Säuberung der Wunde, feuchte Wundbehandlung mit hydroaktiven Pflastern) 
  • Antibiotika bei Infektionen
  • Gut eingestellter Blutzucker
  • Sauerstofftherapie
  • Madentherapie
  • Ständige Kontrolle, intensive Beobachtung der Füße
  • Füße stets gut abtrocken, besonders die Zehenzwischenräume
  • Täglich frische Strümpfe (Möglichst ohne Naht, aus Baumwolle und kein enges Bündchen
  • Möglichst nicht barfuß laufen lassen
  • Zehennägel kurz halten
  • Regelmäßige Fußpflege durch ausgebildete Podologen
  • Gymnastik (Z.B. Füße kreisen, auf Zehenspitzen stellen, Bleistift mit Zehen greifen, etc)
 
 
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